Forschung

„Gärten im Film“ war ein Forschungsprojekt im Studiengang Landschaftsarchitektur an der Fachhochschule Erfurt. Ziel des Forschungsprojektes wares, die Bildwelt des Gartens im Spielfilm zu analysieren und für den Zuschauer aus der Sicht der Landschaftsarchitekten lesbar zu machen. So erklärt beispielsweise ein Blick in die Symbolgeschichte des Baumes, warum Liebespaare im Film gerne unter Bäumen platziert werden. Auch der Rasen und dessen Pflege ist im Film mehr als nur eine zufällige Momentaufnahme. Viel sagt das Rasenstück über den Charakter und den sozialen Status seines Besitzers aus. Zudem ist die szenische und symbolische Auswertung der Gartenszenen eine wertvolle Erfahrungs- und Assoziationsquelle für die Entwurfsarbeit im Studium der Landschaftsarchitektur.

Unter der Leitung von Prof. Horst Schumacher und unter Mitarbeit von Dr. Leonie Glabau und Dr. Daniel Rimbach wurden bisher über 250 Spielfilme mit Gartenbezug recherchiert und rund 130 Spielfilme detailliert analysiert und ausgewertet. Themen sind u.a. das Paradiesmotiv, der gute und der böse Baum, Irrgärten und Labyrinthe, der Lustgarten, der repräsentative Garten, der Rasen, die Mauer, die Hecke und der Zaun, der Gärtner, der Landschaftsarchitekt, die Blumenzucht, die Heilung, Gewalt und Tod sowie der verwunschene Garten.



Beispiel: Der Gärtner im Film

Gärtner arbeiten vor allem im Hintergrund, sie fügen sich harmonisch in das Bild ein und können leicht übersehen werden. Sie werden häufig weder in die Handlung miteinbezogen noch selbst als Handelnde gezeigt. Wenn Gärtner näher charakterisiert werden, sind es meist einfache Menschen mit einem eng begrenzten Horizont.

Insbesondere in Historienfilmen werden Gärtner häufig als „lebende Dekoration“ eingesetzt. Hier zeigen sich deutliche Parallelen nicht nur zur Darstellung in der Malerei, sondern vor allem zur vom herrschaftlichen Parknutzer gewünschten Wahrnehmung des Gärtners und seiner Arbeit in der jeweiligen Gesellschaft. Das ging so weit, dass die Gärtner und Mähfrauen z. B. im Landschaftspark Altenstein in Thüringen am Ende des 19. Jahrhunderts auf herzoglichen Befehl verpflichtet waren, eine der regionalen Tracht nachempfundene Arbeitskleidung zu tragen. Damit fügten sich die Gärtner harmonisch in das Parkbild ein und der romantisch verklärte Blick des Herzogs auf seinen Garten wurde nicht durch „moderne“ Berufkleidung gestört. Georg II. von Sachsen–Meiningen, dem so genannten Theaterherzog, gelang es so, seine Gartenanlage in eine Bühnenkulisse und die Gärtner in kostümierte Statisten zu verwandeln. Eine ähnliche Bildfunktion erfüllen die Hintergrundgärtner auch im Film.

Womit beschäftigen sich nun aber die Gärtner im Hintergrund? Wie wird die Gärtnerarbeit dargestellt und welches Image dieses grünen Berufsstandes wird durch das publikumswirksame Medium Film transportiert?

Ein Blick in die Historienfilme zeigt, dass Gartenarbeit nicht geadelt war: Während die höfischen Damen und Herren durch ihre Anlagen lustwandeln und ihren Liebesabenteuern nachgehen, zupfen und rechen, schneiden und säubern im Hintergrund fleißige, fast unsichtbare Gärtnerseelen die Grünanlagen. Dabei werden die Gärtner oftmals gar nicht direkt bei der Arbeit gezeigt, sondern eher aus Gründen der Bildkomposition wie eine Art Blickfang am Ende einer Sichtachse eingesetzt. Als lebende Dekoration bietet die Person des Gärtners im Hintergrund die Möglichkeit, durch die Kombination von Vorder- und Hintergrund Spannung zu erzeugen. Der Blickpunkt in der Ferne zieht den Bildausschnitt wieder zusammen.

Weitere Informationen zum Thema sind in der Zeitschrift "Stadt + Grün" zu finden: Glabau, Leonie; Rimbach, Daniel; Schumacher, Horst (2006): Dekoration, Depp oder Denker? Der Gärtner im Film. In: Stadt + Grün. Heft 10. S. 57-60.