Gärten im Film

Was ist es, das anregend genug ist, Gärten und Film in einem Forschungsprojekt eng aneinander zu binden? Es leuchtet ein, dass es gewiss nicht dasselbe ist, ob wir an einem strahlenden Sommertag zusammen mit unseren Lebensgefährten in einem prächtigen Garten spazieren gehen, beispielsweise im Garten einer vornehmen Villa, die Wärme wahrnehmen und die Wohlgerüche genießen, das Zwitschern der Vögel hören und das sanfte Streicheln des Windes auf der Haut spüren, oder ob wir, gut gelaunt und in einem bequemen Kinosessel sitzend, uns auf einer Großleinwand und in Dolby-surround-Akustik den Spaziergang eines verliebt tändelnden Paares in einem schön gestalteten Garten anschauen. Was aber macht den Unterschied?

Ein Cineast geht ins Kino, um sich mit der Erzählung eines Spielfilms vergnüglich unterhalten zu lassen; genießend will er erleben, was die Vorstellung bieten wird. Was er vielleicht nicht ahnt ist das, was dabei in seinem Kopf passiert. Doch darum geht es, wenn die unterschiedliche Sinneswahrnehmung von Bild und Ton gleichzeitig empfangen, kombiniert und blitzschnell mit der bisherigen Lebenserfahrung verglichen wird. Es geht um eine Vorstellung, die, anders als auf der Leinwand wiedergegeben, im Kopf des Kino-Besuchers lebendig werden muss.

Aber warum Gärten im Film? Warum nicht Forschung am realen Objekt? Nun – weil es um die Bilder geht. Es geht um jene Bilder, die andere Forscher, und das können auch Filmkünstler gewesen sein, vom Garten gemacht haben, zu unterschiedlichen Zeiten mit sehr verschiedenen Intentionen. Diese Bilder vermitteln eine Erfahrung von der Welt, was die unmittelbare Erfahrung mit der Wirklichkeit eines Gartens möglicherweise nie zuließe. Ein Film distanziert vor der unmittelbaren Nähe zum Garten, die einem Landschaftsarchitekten die Erfahrung der Welt vereiteln könnte. Während gewöhnlicherweise das Berufsbild der Landschaftsarchitektur in Bezug auf Gärten geprägt ist von Fragestellungen zur Funktion, Form und Gestalt, Standortbeschaffenheit, Technik usw., ermöglicht die Erforschung von Gärten im Film ein Eintauchen in die Welt der Bilder. Bei Gärten im Film wird es folgerichtig nicht um die Wirklichkeit von Gärten oder von einem Garten gehen können, vielmehr allein um das Bild vom Garten. Wo aber haben Bild und Motiv des Gartens ihren Ursprung? So lautet eine wesentliche Frage und zieht eine andere nach einer Typologie der Bilder und Motive nach.

In Bildern kondensiert das vielfältig schillernde Kulturschaffen der Menschen; das Kondensat selbst enthält die vitalen Essenzen, die für das gesellschaftliche Miteinander unverzichtbar sind, in archaischen Zeiten sowohl wie bis zum heutigen Tage. Umso dringlicher sind Antworten gefragt nach der Herkunft und der Tradition der Bildwelten, derer sich die Filmschaffenden bedienen.